Der Tag beginnt mit einem guten Frühstück. Hoffentlich ist die Luft klar und frisch, sodass uns eine schöne Bootsfahrt erwartet. Heute geht es weiter nach Igaliku, einer wunderschönen Siedlung weiter im Landesinneren. Von Qaqortoq fahren wir mit einem Passagierboot und kommen unterwegs an einer weiteren Siedlung, Qassiarsuk, sowie am beeindruckenden Qoorooq-Eisfjord vorbei.
Qassiarsuk – das alte Brattahlíð
Qassiarsuk ist eine kleine Siedlung auf der gegenüberliegenden Seite des Fjords. Hier leben rund 50 Menschen, von denen viele in der Schafzucht tätig sind, die eine wichtige Rolle im Leben Südgrönlands spielt. Die grünen Felder rund um die Siedlung zeugen davon, dass das Klima hier Graswirtschaft und Viehhaltung ermöglicht – eine Seltenheit in der Arktis.
Qassiarsuk ist jedoch nicht nur eine moderne Schafzüchtersiedlung, sondern beherbergt auch einige der bedeutendsten historischen Zeugnisse Grönlands. Genau hier ließ sich Erik der Rote um das Jahr 982 nieder und gründete seinen Hof Brattahlíð, eine der ersten nordischen Siedlungen Grönlands. Heute gehört der Ort zum UNESCO-Welterbe Kujataa, das von der tausendjährigen Geschichte nordischer und inuitischer Lebensweisen in dieser Region erzählt.
Wir besuchen die Rekonstruktionen von Erik dem Roten Langhaus und der Kirche seiner Frau Tjodhild, die einen lebendigen Eindruck vom Alltag und Glauben der Nordmänner vermitteln. Im Inneren des Langhauses kann man sich beinahe den Geruch von Rauch und getrocknetem Fisch vorstellen und sich ausmalen, wie Erik der Rote seine Reisen nach Westen plante – und wie sein Sohn Leif Eriksson später weitersegelte und Vinland im heutigen Nordamerika erreichte. Die umliegenden Ruinen der ursprünglichen nordischen Gebäude zeugen von einer Zeit, in der in Grönland weit im Norden Landwirtschaft betrieben wurde.
Während unseres Aufenthalts genießen wir ein einfaches Mittagessen – ein Sandwich – mit Blick auf den Fjord und die grünen Felder, auf denen die Schafe grasen. Außerdem bleibt Zeit für einen kurzen Spaziergang durch die Siedlung.
Qoorooq-Eisfjord
Von Qassiarsuk aus fahren wir weiter zur Mündung des Qoorooq-Eisfjords. Unterwegs können Sie sich an Deck entspannen, den Blick über die Berge und das Eis schweifen lassen und die bisherigen Eindrücke des Tages auf sich wirken lassen. Es ist ein Tag voller Kontraste – von grünen Tälern zu eisgefüllten Fjorden, vom heutigen Siedlungsleben zum Grönland der Wikinger – und eine Reise durch Natur und Geschichte, die Sie so schnell nicht vergessen werden. Schließlich nähern wir uns dem Eisfjord.
Schon aus der Ferne sind die Kälte und die gewaltige Kraft des Eises zu spüren, das den Fjord wie eine schwimmende Landschaft aus blauen und weißen Skulpturen füllt. Der Qoorooq-Gletscher gehört zu den aktivsten Gletschern Südgrönlands und kalbt täglich große Mengen Eis in den Fjord.
Das Farbenspiel des Eises reicht von kristallklar bis zu beinahe türkisblau, und zwischen den Eisschollen lassen sich mit etwas Glück neugierige Robben beobachten. Für einen Moment wird der Motor des Bootes abgestellt, sodass wir den Geräuschen der Natur lauschen können – dem Knistern des Eises, den Vögeln und dem fernen Grollen des Gletschers. Anschließend setzen wir unsere Fahrt fort.
Itilleq
Am Anlandungsplatz Itilleq gehen wir an Land. Von hier wandern wir etwa eine Stunde auf dem sogenannten Königsweg nach Igaliku, wo unser Hotel und das Abendessen auf uns warten. Unser Gepäck wird transportiert, sodass wir es nicht selbst tragen müssen.
Der Weg führt durch eine hügelige Landschaft, in der sich die Aussicht immer wieder verändert. Unterwegs passieren wir grüne Täler und kleine Seen, während sich am Horizont die Berge erheben.
Igaliku
Die Schafzüchtersiedlung Igaliku liegt wunderschön am Ende des Igaliku-Fjords, umgeben von grünen Feldern und steilen, kahlen Bergen. Igaliku ist ein Ort, der zu gemütlichen Spaziergängen und Entdeckungen in aller Ruhe einlädt. Sie können den kleinen Wegen folgen, die sich durch die Siedlung schlängeln, und die schlichten, aber schönen Gebäude betrachten. Genießen Sie die Stille, die nur vom Gesang der Vögel und dem leisen Blöken der Schafe unterbrochen wird.
Zu den beeindruckendsten Sehenswürdigkeiten des Ortes gehören die alten Ruinen des nordischen Bischofssitzes und der Kathedrale, die zwischen den Häusern und Gärten der Siedlung liegen. Es ist fast, als würde man in eine andere Zeit eintauchen, in der die Steine Geschichten von einer Gesellschaft erzählen, die hier vor mehr als 800 Jahren lebte. Auch die Steine selbst sind etwas Besonderes: Der charakteristische Igaliku-Stein, ein mehrfarbiger rötlicher Sandstein, verleiht dem gesamten Gebiet seinen unverwechselbaren historischen Charakter. Es ist kaum vorstellbar, wie die nordischen Handwerker einst die gewaltigen Steinblöcke bewegen konnten, die noch heute von einer längst vergangenen Zeit zeugen.
Wir beziehen unsere Unterkunft in der Siedlung und können uns auf mehrere Tage in einer kaum zu beschreibenden Umgebung freuen. Am Abend genießen wir unser Abendessen im Hotel und anschließend eine erholsame Nachtruhe – denn morgen steht eine Wanderung auf dem Programm!